Special: Moderation

Anke Westerhoff im Interview

Wissenschaftliche Diskussionsrunden sind wie Seereisen

Das letzte Advisory Board war ok, aber Professor Müller konnte sich am Ende doch keinem Konsens anschließen? Sie möchten ein bestimmtes Thema mit Ärzt*innen diskutieren, und fragen sich, welches Format geeignet ist?

Es gibt viele Gründe, medizinische Diskussionsrunden einzuberufen, denn sie können für das veranstaltende Unternehmen ungeheuer wertvoll sein. Unsere Geschäftsführerin Anke Westerhoff erklärt, worauf es ankommt.

Alexandra Mest: Anke, am Ende einer medizinischen oder wissenschaftlichen Diskussionsrunde – was ist für Dich ein Erfolg?

Anke Westerhoff: Ganz unmittelbar: Wenn alle Teilnehmer*innen sich wohl gefühlt haben, wenn alle Meinungen und Beiträge ausreichend gewürdigt worden sind, wenn alle Beteiligten finden, sie hätten ihre Zeit auch persönlich gewinnbringend verbracht. Auf der Metaebene kommt es natürlich darauf an, ob die strategischen Ziele des Treffens erreicht worden sind. Galt es, einen Konsens in wissenschaftlicher Hinsicht zu erzielen? Wollten wir überprüfen, inwieweit eine Marketingstrategie aus ärztlicher Sicht mitgetragen werden kann? Ging es um eine Ideensammlung zu mehr intersektoraler Zusammenarbeit, oder wollten wir eine Reihe potenzieller Meinungsbildner einfach mal persönlich kennenlernen? Erst wenn meine Kund*innen und ich hier zufrieden sind, ist das Ganze wirklich gelungen.

Das klingt, als gäbe es bei solchen Treffen eine "hidden agenda".

So würde ich das nicht nennen. Aber wenn ich bloß ein Kaffeekränzchen aus Tradition veranstalte, vergebe ich nicht nur tolle Chancen, sondern verbrenne auch Geld. Das, was so generalisiert „Meinungsbildnerpflege“ genannt wird, lässt sich mit strategischer Analyse und Zielsetzung häufig mit einem hohem Mehrwert versehen. Und mit weniger Aufwand, als man denken mag.

Aber selbst wenn die einladenden Unternehmen so klare Vorstellungen haben – machen denn die ärztlichen Teilnehmenden mit?

In der Regel gibt es eine Interessenkongruenz – Leitlinien auszulegen oder Studienergebnisse zu diskutieren, über eine verbesserte interdisziplinäre Zusammenarbeit nachzudenken… das sind alles Dinge, die für Ärzt*innen hochspannend sind. Je besser ich die Themen, die für ein Unternehmen interessant sind, auf eine medizinische Sichtweise zuschneide, desto mehr Insights bekomme ich.

Du hast bereits das Kaffeekränzchen erwähnt. Welche Fehler werden noch gemacht?

Es existieren eher Missverständnisse. Man fragt hochkarätige Wissenschaftler*innen nicht, ob ihnen diese oder jene Anzeige gefällt. Bei allem Respekt vor dem ärztlichen Wissen: Das ist ein Fall für die Marktforschung. Auch würde ich nicht eine unternehmerische Entscheidung in so einem Gremium zur Disposition stellen. Sinnvoller ist es, das Für und Wider eines Plans oder die Folgen einer Entscheidung dezidiert aus medizinischer Sicht zu beleuchten bzw. beleuchten zu lassen.

Das ist insgesamt eine komplexe Aufgabe. Wie stellst Du sicher, dass alle Beteiligten mitmachen?

Ich denke, Transparenz ist hier ein wichtiger Punkt. Wir kommunizieren gegenüber den Health Care Professionals sehr deutlich, dass wir von ihrer medizinischen Kompetenz profitieren möchten. Damit fühlen sich die meisten sehr wohl. Umgekehrt legen wir Wert darauf, dass Vertrauen auf gegenseitiger Basis entsteht. Die gastgebenden Unternehmen sind manchmal sehr überrascht, wie interessant Neuigkeiten aus ihrem Alltag für Ärzt*innen sind!

Damit sind wir ja schon beim Tag der Durchführung. Worauf kommt es hier an?

Einige der wichtigsten Faktoren sind natürlich schon im Vorfeld festgelegt worden: Zusammensetzung der Teilnehmenden, die Themen und deren Vermittlung, ein ausgewogener Wechsel von Impulsvorträgen, Diskussionen und Workshoptechniken… Jetzt hängt viel an der Moderation. Das ist immer eine Gratwanderung zwischen dem größtmöglichen Spielraum für die Beteiligten und der mindestnotwendigen Führung hinsichtlich Agenda und Zielen. Neben einer guten Vorbereitung gibt es dann eigentlich nur noch Erfahrung und Fingerspitzengefühl. Das ist live on stage.

Live ja, aber zunehmend auch virtuell – geht das eigentlich?

Grundsätzlich: Ja. Der Crashkurs in Sachen Digitalisierung, den Deutschland seit März 2020 macht, zeigt deutlich Wirkung, und wenn wir Ärzt*innen heute zu einer virtuellen Veranstaltung einladen, hebt sich kaum noch eine Augenbraue. the.messengers haben darüber hinaus sehr gute Erfahrungen gemacht, auch Workshoptechniken in Videokonferenzen zu integrieren. Brainstorming und Pinboards, Breakoutsessions und Shared Files – das alles lässt sich prima auch online realisieren.

Und da bleibt nichts auf der Strecke?

Selbstverständlich ist die Qualität der Kommunikation eine andere. Der Smalltalk in der Kaffeepause, das Augenzwinkern über den Konferenztisch hinweg – die Bedeutung der nonverbalen Kommunikation kann man einfach nicht überschätzen. Aber was soll’s: Wir werden noch eine lange Zeit mit den aktuellen Einschränkungen leben müssen, und als Moderatorin solcher Veranstaltungen ist es eher meine Aufgabe, allen anderen Brücken zu bauen, als über die Rahmenbedingungen zu lamentieren.

Ein Abschlusswort zur Moderation: Wie beschreibst Du Deine Aufgaben?

Wenn ich eine medizinische Diskussionsrunde mit einer Seereise vergleiche, dann bin ich als Moderatorin Nautikerin, Kapitänin, Steuerfrau und Smutje in einem: Ich plane die Route, trage die Verantwortung, umschiffe die Klippen und sorge dafür, dass alle sich wohl fühlen. Ich führe zwar keine Trauungen durch, aber ich kann neue Allianzen schmieden! Meine Kunden sind in diesem Bild die Reeder. Und dass ihr Schiff sicher in den vereinbarten Zielhafen einläuft, dafür habe ich ihnen gegenüber die Verantwortung zu tragen.

Dann bleibt mir nur noch, Dir allzeit eine frische Brise zu wünschen – herzlichen Dank, Anke!

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